Kategorienarchiv: Gedanken außerhalb des Analog-Themas

Aug 24

Einsteiger Plattenspieler

Wieviel muß man ausgeben für den Plattenspieler Einstieg?

Erfreulicherweise stellen wir in den letzten Wochen fest, daß sich immer häufiger Jugendliche für das Thema interessieren. Es besuchen uns immer mehr junge Leute in unserem Hifi Ladengeschäft in Holzkirchen, die sich über einen Einsteiger Plattenspieler informieren.
Nur fällt uns hier eine kleine Diskrepanz auf zwischen dem was wir für preiswert erachten und dem, was ein Jugendlicher bereit ist aus zu geben für einen Schallplattenspieler.
Gehen wir einmal davon aus, daß wir von Klangheimat nicht ruhigen Gewissens eine China-Baumarkt-Kiste anbieten können, so wie man sie neuerdings vermehrt in den großen Supermarkt Ketten findet, bleibt der Phono Einstieg zwangsläufig der Firma Project aus Österreich oder Audio Technica aus Japan vorbehalten. Diese beiden Firmen haben ihr Angebot auf hohem Niveau auch nach unten abgerundet.
So eine Plastikgurke für 89,- € hat nichts, aber auch gar nichts mit einem Plattenspieler gemein. So ein Gerät ist eine Zumutung für die Ohren, Augen und das haptische Empfinden. Derart möchte man sich diesem spannenden Thema sicher nicht als Einsteiger nähern, möchte man nicht Gefahr laufen, das neue Hobby gleich wieder in der Versenkung verschwinden zu sehen.
audio technica at lp120 usb plattenspieler klangheimat
Empfehlen wir aber einen Audio Technica AT-LP120USB, einen Rega RP1 oder einen Project Essential II mit entsprechendem Zubehör, sieht man das Entsetzen in deren Augen.
Interessanterweise sind es die gleichen Jugendlichen, die während des Verkaufsgespräch plötzlich ein 800,- € Smartphone aus der Tasche zücken, oder in ihren Designer Klamotten durch die Lande ziehen.
Sind diese 300,- € bis 500,- € für einen vernünftigen Plattenspieler Einstieg zu teuer? Ich denke es nicht. Auch in meiner Jugend hatten solche Geräte ihren Preis. Man investierte halt 1000,- DM, anstatt 500,- €. Dieses Geld hatten wir auch nicht zur freien Verfügung, wir ersparten es uns aber. Ich für meinen Teil hatte mich zu dieser Zeit während meiner Schulferien in Ludwigshafen am Rhein, Mannheim oder Heidelberg in Produktionswerken rumgeschlagen, teilweise sogar in Schichtarbeit, um mir meinen Thorens leisten zu können.

Es hat definitiv nichts damit zu tun, daß das Geld nicht vorhanden wäre. Die Prioritäten haben sich einfach nur verschoben. Mir erscheint es fast, der Jugendliche von heute definiert sich nur noch über sein Smartphone.
Als ambitionierter Motorradfahrer kann ich auch sagen, daß sich hier ebenfalls kaum noch ein Jugendlicher die Nase vor dem Moppedhändler platt drückt.
Selbst eine aktuelle Ducati vor einer Schule, wird heutzutage kaum noch eines Blickes gewürdigt.
Ich hätte dafür fast meine Mutter verkauft damals.

Im Moment hat der Jugendliche von heute kaum noch einen Qualitätsanspruch an sich und seine Umgebung. Ich möchte das nicht verallgemeinern, sicher gibt es immer wieder löbliche Ausnahmen.
Im Allgemeinen denke ich aber, daß man heutzutage einfach keine Richtung mehr hat und sich in einem Vakuum verliert.
Wir sind alle völlig übertriggert von einem digitalen und medialen "Overflow", der verhindert, daß wir uns kanalisieren, sammeln und danach fokusieren können. Besonders die Heranwachsenden.
Dies führt meiner Meinung nach zu einer Verrohung und Abkehr von Werten.
Man sieht das insbesondere im Online-Handel, wo heutzutage kaum einer mehr Skrupel hat, Dinge bei einem kleinen Händler auf dessen Kosten zu bestellen und nach Benutzung einfach wieder (erneut auf Kosten des Händlers) zurück zu schicken.
Es fehlt häufig jeglicher Respekt sowie Wertschätzung an Person, Gegenstand und Würde.

Aber zurück zum Einsteiger Plattenspieler. Nach wie vor denke, daß man mit einem Audio Technica AT-LP120USB einen ganz fantastischen Einstiegs Plattenspieler bekommt, der nicht nur perfekt verarbeitet ist, mit einer enormen Ausstattung einher kommt, sondern auch noch wirklich vernünftig klingt. Für 280,- € erhält man einen Plug & Play Plattenspieler, der Freude macht und einige Erweiterungen der Hifi Anlage sicherlich übersteht.
Wer sich ernsthaft für Phono interessiert, sollte schon bereit sein, dieses Geld aus zu geben. Güstiger erhält man keinen vernünftigen Plattenspieler.
Damit zeigt er auch, daß er sich etwas wert ist und die Qualitäten guter Musikwiedergabe zu schätzen weiß.
Bis vor kurzem war es so, daß für den Hifinachwuchs absolut nichts getan wurde. Dies hat sich aber geändert. Dennoch ist Hifi ein Hobby, das man nicht geschenkt bekommt. Genau wie ein hochwertiges Snow-Board, oder -um beim vorherigen Beispiel zu bleiben- ein gutes Smartphone, hat Hifi einfach seinen Preis. Es ist einfach nur eine Frage der Wertschätzung.

Ein Plattenspieler benötigt einen gute Zarge nebst Plattenteller, einen ordentlichen Antrieb, einen hochwertigen Tonarm und Tonabnehmer um gut klingen zu können. Auch der eingesetzte Phono Vorverstärker, intern oder extern, muß eine gewisse Qualität aufweisen.
Dies alles zusammen bekommt man nicht für 80,- €, genauso wenig wie man ein Smartphone für diesen Preis erhält.
Vielleicht hilft dieser Vergleich die Sachlage neu einzuschätzen. 
Als Resumé: ein Einsteiger Plattenspieler der richtig gute Hifi Qualitäten aufweist, schlägt mit etwa 250,- bis 300,- € zu Buche. Dieser kommt mit Phono Verstärker, Tonabnehmer und entsprechenden Zubehör.
 

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Okt 02

Groß- und Kleinschreibung in Zeiten des Internet

Die Deutsche Sprache ist dem Niedergang geweiht!

Nicht nur, daß wir mit Stolz an jeder Ecke Anglizismen verwenden, die in ihrer perversten Art mit großen "Sales" Werbebannern den eigentlich "Schlußverkauf" deutschlandweit anpreisen und mit dem "Blockbuster" oder "Public Viewings" Menschen konzentriert sammeln möchten. -Das Schöne an so etwas ist im übrigen, daß so gut wie niemand weiß, daß es für den Begriff "Blockbuster" im Englischen und Amerikanischen keine andere Bedeutung gibt als die, die die Sprengkörper im Zweiten Weltkrieg bezeichnet, welche dafür gedacht waren Deutsche Häuserketten auf zu reißen. Public Viewing ist, -das ist noch interessanter- eine Deutsche Erfindung. Es gibt diesen Begriff im Englischen Sprachraum gar nicht. –
Sei es drum. Dies ist nicht mehr auf zu halten und ich habe mich damit abgegeben. Nein. nun erscheint langsam aber sicher alles klein.

Was mich als Online-Händler in letzter Zeit wirklich stört und immer mehr auffällt ist, daß langsam aber sicher die Kleinschreibung in die Deutsche Kommunikation Einzug hält. ES GIBT IM DEUTSCHEN KEINE KLEISCHREIBUNG !!!!!
Genauso wie es auch keine Großschreibung gibt. Es sieht nicht nur schlecht und unhöflich aus, es führt auch dazu, daß der Deutsche langsam verlernt, wie die korrekte Schreibweise eigentlich funktioniert.
Wir erhalten immer mehr eMails in kompletter Kleinschreibung. Das gleiche gilt für die Anlage von Benutzerdaten. Alles klein. Das sieht wie gesagt nicht nur unschön aus, es ist schlicht und einfach falsch. Eine eMail ist nichts anderes als ein Brief und noch -glücklicherweise- haben wir in Deutschland die große Tradition unserer Sprache noch nicht ganz aufgegeben. Dazu gehört nun halt auch die Unterscheidung zwischen klein und GROSS !
Adressdaten ändere ich manuell immer in die richtige Variante ab. Und da ich mir hierbei schon so viel Mühe gebe, kann ich dies nun mit diesem Artikel auch gleich publizieren.

Bitte, bitte liebe Mitmenschen in Deutschland, gewöhnt Euch dies nicht an. Mir tut es im Herzen weh !! Möchten wir wirklich bald Texte ohne Punkt und Komma, mit falsch verwendeten "s" "ss" und "ß" sowie alles in klein lesen ?

Eure Klangheimat

 


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Aug 29

Die Verrohung guten Deutschen Benehmens

…. oder …. über das sich häufende Fehlverhalten Deutscher Kundschaft.

Aus gegebenen Anlass habe ich mich dazu entschlossen, einzige Zeilen diesem Thema zu widmen. Aus guter Quelle weiß ich nämlich, daß ähnliche Vorfälle bei allen unseren Kollegen an der Tagesordnung sind.

Als "normal" erzogenen Menschen erschließt es sich mir einfach nicht, was einem dazu bringen kann, sich der nachfolgend beschriebenen Art und Weise zu verhalten.
Es ist kein Einzelfall bei uns und erst kürzlich informierte mich die befreundete Konkurrenz, daß sie leider über ähnliche Fälle berichten muß.

Ein Kunde schließt einen rechtswirksamen Vertrag durch den Kauf eines oder mehrerer Artikel über unseren Onlineshop ab.
Daraufhin bestellen wir die Waren, packen sie sorgfältig ein, informieren über den Versandstatus, stellen die Versandpapiere aus, erzeugen die Rechnung und geben sie dem Kurierdienst mit.
Nach einigen Tagen kommt die Bestellung ungeöffnet zurück mit dem Vermerk "Empfänger verweiggert Annahme"

In aller Regel hört man von dem Kunden danach auch nichts mehr.
Folgendes -in Kosten ausgedrückt- bedeutet es für den Versender

  • Bestellung aufgeben – 10 Minuten
  • Bestellung verpacken inkl. Erstellung der notwendigen Dokumente – 20 Minuten
  • 4,- € netto Versandgebühr hin
  • 4,- € netto Versandgebühr zurück
  • Verpackung 0,70 € netto
  • Stornogebühr Rechnung 3,- € netto (da Fremddienstleister)

Legen wir jetzt einmal einen mittleren Stundensatz von 12,- € zu Grunde, sind dem Versender hier Kosten in Höhe von 17,70 € entstanden. Hierbei sollte man im Auge behalten, daß die Kalkulation von LP’s oft bei 20% liegt. Jeder sollte sich den Gewinn hier selbst ausrechnen können.

Dies ist schlimm genug. Was ich aber nicht verstehen kann ist, weshalb man nicht einmal ein "ich bitte um Entschuldigung" vom Kunden vernehmen darf. Einfach überhaupt keinen Satz zu diesem Vorfall. Weder im Vorfeld, noch anschließend.
Wo leben wir denn heute eigentlich ? So etwas käme mir niemals in den Sinn.
Letztendlich bleiben auch nur zwei Gründe für so einen Umstand:

  • nach dem Kauf hat der Kunde die Ware irgendwo anders billiger gefunden
  • er hat es sich anders überlegt

Ich appeliere an jeden Kunden sich darüber im Klaren zu sein, daß nicht alle Anbieter auf "Global Player" Niveau operieren und statt ihren Porsche, ihre Familie zu unterhalten haben !


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Feb 20

Impressionen von Baiernrain zur Winterzeit – Die Heimat der Klangheimat

Winter 2013 – Die Klangheimat liegt im Schnee.

Für alle die einmal gerne sehen möchten, wie ein Einzelhandels-Global-Player so lebt und in die Landschaft eingebettet ist:

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Jan 12

Windradfreies Dietramszell

Gegen Windräder im Bayerischen Voralpenland

Ich möchte nicht als Gegner alternativer Energieformen sein. Aber bis zum heutigen Tag erscheint mir die Nutzung von Windenergie als äußerst fragwürdig. Mich würde interessieren, wie lange ein solches Monstrum laufen muss um die Energie wieder ein zu bringen, die zu deren Herstellung notwendig war. Immerhin sprechen wir von einem Gebilde bis 200 Meter aus Aluminium, Stahl und Beton. 
Diese in abgelegenen Windparks angebracht, erscheint mir noch als sinnvoll. Nicht aber inmitten von Wohngebieten. Jeder der sich mit dieser Thematik beschäft weiß um die Nachteile dieser Mastgiganten (Geräuschentwicklung, Sog etc)
Das schlagkräftigste Argument von allen ist aber die totale Verschandelung der natürlichen Umgebung. Ich weiß auch nicht wie es Ihnen geht. Regelmässig wenn ich gegen Abend an solchen "Monstern" vorbei fahre, ergreift mich ein unwohles Gefühl.

Um so mehr war ich schockiert, als ich von der Genehmigung von 200 Meter Mästen in der Gemeinde Dietramszell lesen musste, in der wir uns vor 3 Jahren nieder ließen.
Dieses wunderschöne Gebiet im Bayerischen Voralpenland mit unverbauten Blick auf die Alpen ist für mich an Natürlichkeit und Ursprünglichkeit kaum zu überbieten.

Von uns ein klares Nein, das auch energiepolitisch für uns völliger Nonsens ist.
Unterstützen auch Sie die Bürgerinitiative von Dietramszell !!

Hier auch der Link für die Initiative Windradfreies Voralpenland

Windradfreies Dietramszell - Flyer - Verein - Klangheimat


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Aug 20

Wo geht Dr. Vinyl schwimmen ?

Bei der Hitze der vergangenen Tage könnte das vielleicht jemand interessieren 🙂

Für alle, die einmal im Bayrischen Oberland sind und gerne schwimmen möchten, empfehle ich dieses wunderschönen Bad das sich dort mehr oder weniger unverändert seit 1934 befindet.
Fantastisch in Arzbach an der Isar nähe Bad Tölz gelegen befindet sich das Alpenbad Arzbach. Diese Bad wird durch quellfrisches Alpenwasser versorgt, hat einen schönen Spielebereich für die Kleinen und gutes Essen.
Der Entspannungswert ist mit 4,- € unschlagbar.

Anbei einige Impressionen:

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Aug 07

Melancholie der besonderen Art – Element of Crime

Heute möchte ich einmal eine wunderbare, dennoch aber nicht wirklich allgmein bekannten Band vorstellen:
Element of Crime

Kennen gelernt habe ich die Band, deren männlicher Sänger mich sofort an die großartige Lale Andersen und deren "Lili Marleen" erinnerte, durch einen Freund. Wenn auch nur der Funken an Melancholie in einem steckt, kann man sich dieser Musik und der traurig-subversiven Texte nicht entziehen.
Sicher keine Musik für Jedermann, aber für all diejenigen, die sich als positiv-traurig, als nachdenkend oder emotional tiefgründig bezeichnen.
Wir haben zur Zeit leider nur eine LP Pressung im Angebot: Element of Crime – Mittelpunkt der Erde

Für all diejenigen, die gerne einmal rein hören möchten. Hier ein kompletter Spotify Stream der wunderbaren Live LP "Mittelpunkt der Erde – Live Köln 2009"


Twitt

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Aug 04

Metal & Klassik

Merkt man, daß ich meine Wacken Karte wegen Krankheit abgeben mußte ? 🙂

Heavy Metal spielen Musiker, die kein Instrument spielen können ?

Hier zweimal der gleiche Gitarrist dieser sympathischen (und von mir heißgeliebten) Band:

image

Hinten links steht er. Chris Broderick.
Lassen wir ihn einmal zwei recht bekannte Titel performen:

Titel 1:

[youtube]6m0ow_nOuSc[/youtube]

Titel 2:

[youtube]q-ze51lEt3w[/youtube]


Twitt

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Aug 13

Service immer noch auf Wunschzettel der Kunden

Gespräch mit Kunden festigt die Überzeugung vom Konzept Klangheimat

 

Wenngleich die Arbeiten am Hörstudio sowie am Degustationsraum nebst Weinlager noch nicht gänzlich abgeschlossen sind, konnte ich schon einige glückliche und zufriedene Kunden begrüßen.
Es scheint sich schon jetzt ein Kunden-Typus heraus zu kristalisieren.
Männlich, über 50, im Leben stehend und im festen Wissen und Gewissen was er möchte und vor allem, was er nicht möchte.
 

Alle äußerten sich negativ über nachlassenden Kundenservice. Über eine verbissene Vermarktung unseres liebsten Hobbys (analoges Hifi) rein über den Preis.
Weiterhin bemängelten einige Kunden die zunehmende Direktvermarktung der Hersteller und der online gestützte Verkauf über das Internet, der sich mehr zum Fluch als zum Segen entwickelt.
Preise sind transparent. Kunden vergleichen radikal die Preise und entscheiden danach.
Beratung, wenn es sie noch gibt, erfolgt beim Händler vor Ort, gekauft wird unter http://www. . .. An dieser Stelle zeigt sich das ganze Dilemma.
Der Händler nimmt sich keine Zeit mehr, da es immer seltener zu Kaufabschlüssen kommt. Der Kunde fühlt sich schlecht beraten, kauft eher direkt und informiert sich im Internet, da dort die Beratung fast besser ist.
Am Ende sind sowohl Händler als auch Kunden unzufrieden.

Wir leben in modernen Zeiten. Internet, Direktvermarktung, Vergleich und Beratung im Netz. Aber passt das zu einem Hobby, das wir doch aus dem Grund gewählt hat, weil es uns "entschleunigt" und zur Basis zurück bringen soll ?

Gehört zu dem Erlebnis "analoge Hifi Hardware" nicht auch ein stückweit der Kauf dieser Geräte hinzu ?

Vor einiger Zeit, auf der High End in München, antwortete mir einmal Herr Friedrich Schäfer von ASR auf die Anfrage hin, ob ich denn seine Produkte in einem Wohnraum-Hörstudio anbieten dürfte folgendes:

Eine gute Sache. Vermutlich das Einzigste was auf längere Zeit bestehen wird.

Für mich ist das Internet eine gute Sache. Aber meiner Meinung nach tötet es den Fachhandel, den wir einmal geliebt und geschätzt haben.
Handelsübliche Hifi-Händler werden es immer schwerer haben, bestehen zu können.
Und eben solche Händler sind auch nicht in der Lage, sich für einen Schallplattenwaschmaschinenkunden 2 Stunden Zeit nehmen zu können.

Als Kunde der bereit ist fast 3.000,- €  in solch ein Gerät zu investieren, hat man es aber verdient, ernst genommen zu werden. Der Kunde möchte ein "Schwätzchen" halten, sich austauschen, wissen wo er nachträglich seinen Service her bekommt.
Er kauft diese Zeit mit. Und er genießt sie auch.

Ein Kunde sagte mir vor einiger Zeit: "ich möchte nicht den Marmorpalast des Händlers kaufen, ich möchte gut beraten werden"

Wir haben uns alle ein wenig verfahren in unserer modernen Gesellschaft. Alles schnell, alles direkt, immer und überall zu jeder Zeit.
In Wirklichkeit ist aber der Schrei nach Ursprünglichem überlaut.
Wir möchten Dinge und Zeit von Bestand, von Geselligkeit, von Vertrautheit und Ehrlichkeit.

Bodenständiges !

Ich freue mich sehr darüber, dieses Gefühl vermitteln zu können und habe weiterhin Zuversicht in diese Art der Kundenbehandlung.

Dies macht nicht nur dem Kunden Freude, es gibt auch mir ein Gefühl von Befriedigung, das mich den Tag über begleitet.

 

Euer Dr. Vinyl


Twitt

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Mai 31

Vinyl und die Wertschöpfungskette

Vinyl vs. Streaming

 

Gedanken über Werte, Geschichte & Kultur

 

Geht es Ihnen wie mir ? Machen Sie sich in Ihren ruhigen Minuten, sagen wir im Auto beim gemütlichen Autobahnsurfen, auch so Ihre Gedanken ?

Einmal mehr ging es mir so, als ich vor wenigen Tagen eine Mera zu einen Kunden ausgeliefert hatte. Wir unterhielten uns -wer würde etwas anderes erwarten ?- über Schallplatten.

Nun ist es so, daß wohl nur noch wenige Mitbürger wie beispielsweise Angestellte der Europäischen Landeszentralbank oder Helmut Kohl höchstpersönlich, das Experiment Europäische Einheitswährung nicht in Frage stellen würden.
Wir alle sollten uns mit der Tatsache auseinander setzen, daß unsere sauer angesparten Devisen in umgewandelter Form wertbeständiger sind, als in ihrer Papierform.

Und genau dieser Umstand, in Zusammenhang mit dem bereits angesprochenen Kundengespräch über Plattensammlungen sowie einem Artikel der STEREO in der Ausgabe 6/2010, gab mir den Anlaß zu folgender Überlegung.

 

In diesem Artikel unterhielten sich:

  • Don Schone, Vertriebsleiter Teac/Esoteric
  • Jürgen Reis, Entwickler MBL
  • Thomas Saheicha, Geschäftsführer Linn Deutschland
  • Keith Robertson, Chefentwickler DS Systeme Linn
  • Ulrich Michalik, Pressesprecher Linn Deutschland
  • STEREO Redakteure

Hintergrund des Gesprächs war die Bekanntgabe der Firma Linn, die Produktion von CD-Spielern ein zu stellen.

Was interessiert uns als Vinyl-Freunde diese Entscheidung, wird sich der ein oder andere fragen.
Nun. Vermutlich hat dieser Schritt mehr Auswirkung auf unsere Hörgewohnheiten und der damit zusammenhängenden Wirkung auf unser Kulturgut Musik, als es im ersten Moment den Anschein hat.

Als IT Spezialist will ich gar nicht behaupten, daß die Streaming Technologie nicht vom ersten Augenblick eine gewisse Faszination auf mich ausübte.
Direkt nach Aufkommen der ersten MP3 Konverter integrierte ich diese Art des Musikhörens in meinen Tagesablauf. Bereits der dritte iPod erfreut sich eines regen Gebrauches durch mich.
In jeder Sekunde an Bahnhöfen, Flughäfen, im Hotel oder am Strand, ist das Musik-Streaming ein stetiger Begleiter.
Hat das Streaming auch Einzug in die eigenen 4 Wänden gehalten ?

Ja, natürlich hat es das. Aber es hat nicht die konservativen Musikreproduktions-Geräte ersetzt.
Stellen wir uns die Frage, warum dies nicht der Fall war.

Linn ist der festen Überzeugung, dass die Zeit der CD bereits zu Ende ist. Die Technologie wäre ausgereift, vollständig ausgereizt und biete kein Verbesserungs- und Entwicklungspotential mehr.
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Auffassung von Linn, daß eben dies bei der analogen Technik des Schallplattenspielers ihrer Meinung nach nicht der Fall sei.

Was denken wir an dieser Stelle als Vinyl-Anbeter ?

Die Schallplatte wird die CD überleben !!

Und genau darüber sind sich alle Beteiligten einig. Niemand stellt in Frage, daß genau dies eintreffen wird.

Im ersten Moment kann man die Argumentation an dieser Stelle sicher nicht ganz nachvollziehen. Eine Technologie, die bereits vor Jahrzehnten auf dem Abstellgleis war, soll gegenüber einer deutlich moderneren, ein höheres Entwicklungspotential ausweisen ?

Meiner Meinung geht es hier um etwas ganz anderes.
Schon bei der CD wurde befürchtet, ein Stück Kulturgut werde durch die digitale Technik verloren gehen.
Cover, die man kaum noch erkennen kann. Booklets, die nicht mehr zu einem sprechen. Haptik wird reduziert auf ein Stück Plastik.

Was aber geschah ? Man entwickelte der CD gegenüber ein ähnliches Verhalten wie gegenüber der Schallplatte.
Man sammelte, man archivierte, man stellte zur Schau. Und nicht nur das. Man konnte sogar am "Alten" festhalten.

Die LP kehrte aus der Versenkung wieder zurück. Eine Koexistenz wurde geschaffen, die heute niemand mehr wirklich in Frage stellt, der sich mit Hifi und Musik auskennt.

Einem Vinyl Freund geht es um Langsamkeit, um "Entschleunigung". Er möchte an Altem, Vergangenen festhalten. Er liebt die Zeremonie des Plattenauflegens. Er möchte seine Gerätschaften und Medien pflegen. Er möchte in Plattenbörsen stöbern, den Geruch von Vergilbten sensorisch aufnehmen.
Ein einmal erstandenes Gerät ist ein System von Dauer. Es hat Bestand, es hat einen Wert. Eben genauso, wie das schwarze Stück Plastik selbst, das er sein Eigen nennt und das die Musik gespeichert trägt.
Er ist stolz auf seine Sammlung. Er stellt sie mit gehobener Brust Bekannten, Freunden und Besuchern zu schau.
Wie ein Literar, der auf eine große Bücherwand schaut.

Trotz des mehrfachen Versuches elektronische Bücher zu etablieren, sind bisher nur zaghafte Erfolge zu verzeichnen.
Vor vielen Jahren bereits, ging diese Technologie mit Pauken und Trompeten unter und verschwand wieder vom Markt.
Das Kindle von Amazon sowie Apple's iBook sind derweilen dabei dies zu ändern. Dies hat aber keinerlei Einfluß auf die Tatsache, daß jeder überzeugte Leser hochwertiger Literatur sich damit schmücken möchte.
Er wird sich weiterhin für den in Papier verewigte Speicher entscheiden. Denn nur dieser lässt sich eindrucksvoll in den eigenen vier Wänden aufgebahren.

Die Ära der CD ist zu Ende. Auch von meiner Seite aus gibt es daran keinen Zweifel. Da sie es aber zu Lebzeiten nicht vermochte, die alte analoge Technik zu verdängen – eben aus genau diesen von mir angesprochen Gründen – wird sie nun selbst dieses Schicksal erleiden.
Wirklich besser konnte sie ihre Sache nie. Im Gegenteil. Sie legte oftmals ein steriles Bild zu Tage, dass die Berfürworter und Anhänger der analogen Technik nochmehr in ihrer Argumentation bestärkten.

Denn eines sollte uns klar sein. Die Einführung des Streamings ist nicht mit der der CD zu vergleichen.
Streaming bedeutet eine Verbesserung der gegenwärtig genutzten Technologie der CD. Der digitalen Musikaufzeichnung.
Der einzigste Unterschied zur CD ist der Verzicht auf Mechanik. Dank der in den letzten Jahren stark fortgeschrittenen Entwicklung in der Speicher-Technik, sind wir in der Lage auf Kompression à la MP3 zukünftig zu verzichten und den gesamten Datenumfang einer CD – und darüber hinaus ! – auf Festplatte oder Chip zu speichern.
Es gibt absolut keinen Grund mehr am Medium CD fest zu halten.

Nur eben einen ! Den haptischen, ideelen und materiellen Wert des Besitzes.

Was bekomme ich als Gegenwert für mein Geld ?

  • einige Bits und Bytes auf irgend einem Speichermedium ?
  • oder ein Stück "Etwas". Etwas zum Anfassen. Etwas zu Lesen. Etwas zum Hinstellen. Etwas zum Zeigen. Etwas zum Verkaufen. Etwas zum stolz sein

Die Einführung der CD hat die analoge Musikwiedergabe über Vinyl und Tonabnehmer nicht verdrängt, nicht verbessert. Es handelte sich um die Einführung einer völlig neuen Technologie.
Musikwiedergabe über digitale Medien ist eben etwas anderes als über analoge.

Und aus diesem Grund ist die Schallplatte immer noch Bestandteil unserer Musikkultur.
Sie wird es auch noch dann bleiben, wenn unsere Kinder schon lange nicht mehr wissen, wozu die CD einmal da war.
Schon heute ist die CD kein Musik-Speichermedium mehr für die Jüngsten unter uns.

Warum nicht ? Weil es für die Jugendlichen in diesem Alter nicht um Wertbeständigkeit geht. Man möchte Musik "sharen". So viel und so schnell Zugang zu neuer Musik haben wie möglich.

Dies könnte sich im Alter aber möglicherweise ändern.
Die jungen Downloader von heute, möchten vielleicht später auch etwas von Bestand, von Wert besitzen:
Ein wenig Kultur zum hinstellen.
Eben genau dies ist die Langspielplatte. Das ist Vinyl. Ein Stück Erinnerung, Kultur, etwas von Bestand und Wert.
Zum Anfassen !

Ich möchte sehen, wie Sie die Musik in ihrem Streaming-Laufwerk anfassen und stolz Ihren Besuchern zeigen.
Der erste der dies vermag, möchte mir bitte eine eMail schreiben.


Euer Dr. Vinyl

 


Twitt

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