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Feb 09

Audio, Internet und die Gier nach dem Schnäppchen

Kaufen im Internet – Segen oder Fluch ?

Wir alle lieben es: Das Kaufen im Internet. Bequem vom gemütlichen Sofa aus mit unserem Netbook in der Hand in jedem Geschäft der Erde stöbern, zu jeder Tages und Nachtzeit, jeden Artikel im Zugriff . . . und genauso schnell auch bezahlt.
Nicht einmal den Geldbeutel müssen wir aus der Tasche ziehen. Alle unsere Daten sind bereits bequem hinter verschiedenen Zahlungsanbietern wie "Paypal" hinterlegt.

Früher liefen wir 800 Meter weiter in den nächsten Laden um nochmals die Preise zu vergleichen. Möglicherweise mussten wir sogar das Auto nutzen, um das preislich interessanteste Angebot ausfindig zu machen. "Schnee von gestern".
In Sekundenbruchteilen finden wir den Wunschartikel bei zehn verschiedenen Anbietern weltweit und wählen ebenso schnell das für uns günstigste Angebot aus.
Ein Segen für uns Kunden, ohne Frage.

Aber wie verhält es sich auf der anderen Seite ? Beim Händler oder Hersteller.

Wir können davon berichten. Denn im Vinyl und Audio Bereich kennen wir alle Seiten. Die des Kunden, auf dessen Seite wir eins auch mal standen. Und die des Herstellers bei dem wir unsere Artikel beziehen und als Händler, da wir sie schließlich verkaufen.
Und  hier ist die Welt eine ganz andere. Große Global Player diktieren die Preise. Durch immense finanzielle Mittel sind sie in der Lage, eine Kalkulation sinnvoll zu erachten, die jeden Kleinhändler in den Ruin treibt.
Durch den massiven Ankauf von Ware stehen ihnen von Beginn an ganz andere Einkaufspreise zu Grunde. Sieht man jetzt noch die Tatsache, daß diese Firmen gewaltige Stückzahlen "unters Volk" bringen, wird einem klar, wie solche Preise funktionieren können.

Sicher, den Kunden freut es. Aber der kleine Händler im Familienbetrieb übersteht diese Entwicklung nicht mehr all zu lange. Durch die bereits oben beschriebene Transparenz, fällt er für den potentiellen Kunden vollständig aus dem Rennen.
Schlimmer noch. Der Kunde weiß mittlerweile, daß die großen Anbieter zwar gute Preise machen, aber oft von der angeboten Ware wenig oder keine Ahnung haben.
Das Fachwissen wird praktisch umsonst beim Kleinhändler abgezogen, dieser ohne Honorar mit Arbeit belegt und am Ende kauft man beim günstigsten Anbieter.

Mir ist nicht ganz klar, wohin da führen wird. Aber über kurz oder lang zum Aussterben der netten Händler um die Ecke.
Und dies nicht etwa fehlerhaftem Geschäftsverhalten des Händlers geschuldet, sondern dem Kaufverhalten der Kunden.
Würden sich mehr Kunden über dieses Thema einmal Gedanken machen, wären sie sicherlich bereit, ein paar Euro mehr aus zu geben.

Eine erfreuliche Entwicklung ist allerdings auf der Seite der Hersteller zu bemerken. Immer mehr renommierte Firmen setzen ein Zeichen in diesem Preiskampf. Zu recht !
Jüngstes Beispiel für uns, die Klangheimat, ist der bekannte Deutsche Hersteller Lehmann Audio.
Dieser Hersteller verkauft an keinen Händler mehr, sollte er nicht bereit sein, den offiziellen Verkaufspreis ein zu halten. Sehr schön !! So muß das sein. Und wir hoffen sehr, daß noch viele diesem Beispiel folgen werden.
Es besteht hierbei kein Grund mehr für den Käufer Preise zu vergleichen. Der Kunde kauft dort, wo er gut beraten und jahrelang glücklich war.

Wir hoffen, daß dieser Text einen kleinen Denkanstoß in Ihrem Kaufverhalten geben konnte.

Dr. Vinyl

Über den Autor

Klangheimat

Geboren im Jahre 1970 wuchs ich noch mit "vernünftiger" Musik auf, die man sich erarbeiten mußte. Die Schallplatte stellte in meiner Jugend das einzige Medium dar, für das man bereit war Geld auszugeben. Und den Kauf zelebrierte man entsprechend. Kopien zog man sich auf Kassette (meine waren immer aus meinem Geburtsort Ludwigshafen von BASF :-) ), Genuß bezog man von der schwarzen Scheibe. Was eine schöne Zeit.
In der heutigen digitalen Welt verkürzen sich Zugriffsmöglichkeiten in den Nanosekundenbereich. Musik wird konsumiert, nicht mehr tief erlebt. Diesen Zustand bedauere ich sehr, obgleich ich auch die Vorzüge modernen Streamings nutze.
Mein Musik Lebenslauf begann mit Depeche Mode und NDW, führte mich weiter über Hardrock und Metal, gab mir schöne Zeiten im Jahrzehnt der beginnenden Elektromusik (späte Achtziger,frühe Neunziger), ließ mich im Jazz auf den Geschmack kommen und führte mich am Ende sogar wieder zurück zum Metal und Hardrock.
Was einem doch entgeht, wenn man sich nur auf eine Musikrichtung konzentriert.

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