«

»

Mrz 30

Adele im Kesselhaus München

Wunderschöner Konzertabend im Kesselhaus 29.03.2011

Hätte mich vor einer Woche jemand nach Adele gefragt, ich hätte nur mit den Schultern zucken können. Auch als mir eine frei gewordene Konzertkarte kostenlos angeboten wurde, konnte ich mit der Künstlerin nichts anfangen.
Selbst zwei Tage zuvor dachte ich eher an ein Pop Konzert, das mich da erwarten würde.

Aber weit gefehlt. Zunächst überzeugte bereits die Konzertatmosphäre, die durch die bizarr wirkende Industrieoptik des ehemaligen Fabrikgeländes überraschte. Sphärisch durch dezente Lichteffekte in ein angenehmes blau/rot/gelb  in Szene gesetzt, wurde man bereits vor Beginn des Konzerts in die dafür notwendige emotionale Grundstimmung versetzt.

Der Auftritt begann und ich war überrascht von der guten Akkustik. Im Gegensatz zum katastrophalen Sound des gegenüberliegenden Zenith (dessen schlechte Akkustik eines der besten Konzerte der letzten Jahre zu nichte machte -Jan Delay-) überzeugte der Klang der Halle mit wenig wummernden Bässen und einer dezenten Neutralität. Schön.
Die Stimmgewalt von Adele zog mich sofort in ihren Bann. Glasklar, stark, sauber und dennoch zerbrechlich wirkend, schaffte sie es in wenigen Minuten mich vollends in einen Strudel aus Emotionen und Erinnerungen zu ziehen.
Sie hat diese Prise an Melancholie die ich so sehr liebe. Die es vermag, tief liegende Emotionen zu lösen und nach außen zu transportieren. Fantastisch. Ich war große Teile des Konzerts damit beschäftigt, mir meine Tränen weg zu drücken.

Auch das Orchester vermochte zu überzeugen. Stets präsent aber nie in den Vordergrund tretend, wußte es die einzigartige Stimme von Adele zu begleiten und sie noch mehr zu fokusieren. Dabei gingen die spielerischen Qualitäten dieser Band aber keineswegs unter.
Sowohl das Piano traf mitten ins Herz, als auch die Akkustikbegleitung.

Als einziger Wehrmutstropfen darf wohl das abrupte Ende angesehen werden, in dem Adele ohne eine Sekunde an eine Zugabe zu denken einfach verschwand und den Saal dem folgenden gleißenden Licht übergab.

Dennoch: Einfach nur schön….und ich werde jetzt mal schauen, was der Vinyl-Markt zu Adele zu bieten hat ! 

Über den Autor

Klangheimat

Geboren im Jahre 1970 wuchs ich noch mit "vernünftiger" Musik auf, die man sich erarbeiten mußte. Die Schallplatte stellte in meiner Jugend das einzige Medium dar, für das man bereit war Geld auszugeben. Und den Kauf zelebrierte man entsprechend. Kopien zog man sich auf Kassette (meine waren immer aus meinem Geburtsort Ludwigshafen von BASF :-) ), Genuß bezog man von der schwarzen Scheibe. Was eine schöne Zeit.
In der heutigen digitalen Welt verkürzen sich Zugriffsmöglichkeiten in den Nanosekundenbereich. Musik wird konsumiert, nicht mehr tief erlebt. Diesen Zustand bedauere ich sehr, obgleich ich auch die Vorzüge modernen Streamings nutze.
Mein Musik Lebenslauf begann mit Depeche Mode und NDW, führte mich weiter über Hardrock und Metal, gab mir schöne Zeiten im Jahrzehnt der beginnenden Elektromusik (späte Achtziger,frühe Neunziger), ließ mich im Jazz auf den Geschmack kommen und führte mich am Ende sogar wieder zurück zum Metal und Hardrock.
Was einem doch entgeht, wenn man sich nur auf eine Musikrichtung konzentriert.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.doctor-vinyl.de/2011/konzerte/adele-im-kesselhaus-munchen/

1 Kommentar

  1. Florian

    War gestern auch dabei – und fand's super. Zu dem Ende: Ich war auch etwas überrascht – vermute aber, dass das auch so nicht geplant war. Sie war ja schon vor dem vorletzten Song plötzlich kurz verschwunden und in "Someone like you" hat sie an einigen Stellen auf die hohen Töne verzichtet und improvisiert. Insofern denke ich, dass sie Probleme mit der Stimme hatte oder schlicht schlapp war.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Better Tag Cloud