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Nov 18

George Michael ist Rock ’n Roll

17. November 2011 – Olympiahalle München – ein Rockkonzert

George Michael - Symphonica Tour - München BühnenaufbauMit nun 41 Jahren kommt man nicht umher zu zu geben, irgendwann einmal mit George Michael In Verbindung gewesen zu sein. Als Kinder der Achtziger Jahre hörte jeder -mehr oder weniger aktiv- die Wham Scheiben und fragte sich, warum die Angebetete statt von einem selbst, lieber 10 Wham / George Michael Poster der Zeitschrift Bravo im Zimmer aushing.

Nein. Ich könnte wirklich nicht behaupten, daß mir der Mann ein Fremder sei. Aber er stand sicher nicht im Mittelpunkt meines Musiklebens. Rock kam, während meines Werdeganges ins Bewußtsein, Hardrock, Metal, Elektro. Auf der Suche nach mir selbst , in den Jahren größten musikalischen Vakuums (Ende der Neunziger) entdeckte ich schließlich meine Vorliebe für weichere Klänge. Vornehmlich Jazz angehauchte Musik begann mich zu interessieren.
In dieser Zeit fand der Silberling "Older" den Weg in meinen CD Spieler. Ein wirklich gutes Werk, daß jede noch so verkrampfte Situation während kleiner und größerer Balzvorhaben zu lösen vermochte.
Danach wieder Stille und der Mann verdängte sich wieder völligst aus der eigenen Erinnerung. Nun gut, man las oder hörte von seinen Eskaparten, seinem Outing, seinen Abstürzen. Cool fand ich es, mußte lächeln. Mehr aber auch nicht.

Dies änderte sich am 17. November für mich nachhaltig. Erfreut über unerwartet von einem meiner besten Freunde geschenkte V.I.P. Karten  für das Konzert "Symphonica" in der guten alten Olympiahalle in München, nahm ich Platz in Reihe 2 und sah der Eröffnung des Konzerts gespannt, aber ohne jegliche Erwartungen entgegen.
Nun. Nicht jedem ist es vergönnt, die intensive Bühnenpräsenz dieses Mannes erleben zu dürfen. Ich bin mir nicht sicher, ob das im Hochrang 140 Meter hinter mir immer noch so erlebt wurde. Aber dieser Mann vermochte es mich in Sekundenbruchteilen in den Bann zu ziehen. Nein, ich bin nicht xxx, bin mehr als hetereo, habe eine liebe Frau und Familie. Aber was soll ich sagen ? Er sieht einfach verdammt gut aus. Gereift wie mein Whiskey aus meinem Geburtsjahre 1970, muß man einfach zu geben, daß er mehr Ausstrahlung besitzt als man selbst.

Sofort fand ich Zugang zu dieser leichten aber doch intensiven und komplexen Musik aus Jazz und Klassik. Seine Stimme ist so, wie man sie in Erinnerung hat. Weich, einen einnehmend. Aber dennoch mit einer enormer Klangfülle und Stärke.
Die Gestaltung der Bühne empfand ich als das beste, was ich seit Jahren je gesehen habe. Peter Gabriel hätte es nicht besser gemacht.
Ohne technoid in den Vordergrund zu treten, umspielte die Hightech Projektion jeden der performten Songs. Gab ihnen den Grad an Untermalung, den sie benötigten, um immer noch für sich selbst wirken zu können. Ohne den Blick von ihm selbst und den Akteuren des Orchesters, das ihn in seine Mitte aufnahm, ab zu wenden, dran das Geschehen hinter der Bühne ins Unterbewußte.
Dennoch verlor man sich fasziniert in den immer wieder neu entstehenden Formen hinter der Bühne, die ganz weich gezeichnet, aus einem Hochleistungsrechner kamen.
Als IT Spezialist muß man davon einfach fasziniert sein. Ein Vorhang der zu einem eigenen Leben fand. Eine überlebensgroße Projektionsfläche, die eine derart prägnante Schärfe zeichnete, daß ich mich auf jeden einzelnen Song freute, der die Umgebung erneut in eine neue Aura versetzte.

Vor mir, zum Greifen nahe, sprang mir über den ganzen Verlauf des Konzerts ein weiterer Akteur ins Auge, den man vermutlich übersehen hätte, würde er nicht dieses ungewöhnliche Gerät bedienen. Eine Harfe. Sein perfektes und faszinierendes Spiel konnte sich leider nicht oft in den Vordergrund bringen. Die meiste Zeit ging er unter in dem Soundvolumen von Streichern und Schlagzeug.
Aber man vergaß ihn dennoch nie. Es gab glaube ich nicht einen einzigen Song, den dieser Mann nicht aus tiefster Insbrunst mitsang. Er bewegte sch auf seinem kleinen Sitz vor und zurück und lebte dieses Konzert. Man hatte fast den Eindruck, er sei selbst ein Fan von George Michael. Flehend nach weiterem Input sah er seitlich zu ihm hinüber und verlangte nach mehr. Nicht mal im Abspann des Auftritts verließ ihn sein intimer Zugang zu der Musik und dem Geschehen.
Überhaupt hatte man das Gefühl von der gesammten Gruppe. Man sang in Background nicht einfach was neben- oder hinterher. Man lebte es auch dort.
Diese Leute hatten und haben Spaß bei dem was sie machen und sie stehen sich untereinander sichtlich nahe. Hier stand kein abgehobener Star im Vordergrund. Hier wurde gemeinsam gejamt. Das tun sie auch hinter der Bühne, wie einst Elvis mit seiner Band.

George Michael präsentierte mir ein Konzert, wie ich es selten gesehen habe. Etwas das mich emotional mitriss und mich ca. 3h lang (mit Pause) vergessen ließ, was ich für Probleme habe, was zu tun ist, wohin ich will und wo ich bin.
Man muß kein Fan einer Musikrichtung sein, kein Fan eines Künstlers. Aber das was ich dort erleben durfte ist wahrer Rock 'n Roll ! Darum geht es bei Musik. Wenn sie dies vermag, hat sie ihre Aufgabe erledigt. Eine, die Radio heutzutage nicht mehr auf der Agenda stehen hat !

Dieser Mann hat seinen Erfolg verdient. Egal was er tat, ega wie er sein Leben lebt.  Eine Persönlichkeit, wie man sie selten auf der Bühne erleben darf. Klanglich perfekt präsentiert in einer nicht überladenden aber perfekten Show.

Und am Ende nahm er sogar seine Brille ab 🙂

Zum Fotoalbum des George Michael Konzerts am 17.11.2011 in der Münchner Olympiahalle

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Über den Autor

Klangheimat

Geboren im Jahre 1970 wuchs ich noch mit "vernünftiger" Musik auf, die man sich erarbeiten mußte. Die Schallplatte stellte in meiner Jugend das einzige Medium dar, für das man bereit war Geld auszugeben. Und den Kauf zelebrierte man entsprechend. Kopien zog man sich auf Kassette (meine waren immer aus meinem Geburtsort Ludwigshafen von BASF :-) ), Genuß bezog man von der schwarzen Scheibe. Was eine schöne Zeit.
In der heutigen digitalen Welt verkürzen sich Zugriffsmöglichkeiten in den Nanosekundenbereich. Musik wird konsumiert, nicht mehr tief erlebt. Diesen Zustand bedauere ich sehr, obgleich ich auch die Vorzüge modernen Streamings nutze.
Mein Musik Lebenslauf begann mit Depeche Mode und NDW, führte mich weiter über Hardrock und Metal, gab mir schöne Zeiten im Jahrzehnt der beginnenden Elektromusik (späte Achtziger,frühe Neunziger), ließ mich im Jazz auf den Geschmack kommen und führte mich am Ende sogar wieder zurück zum Metal und Hardrock.
Was einem doch entgeht, wenn man sich nur auf eine Musikrichtung konzentriert.

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  1. George Michael = Rock ? »

    […] Der Erlebnisbericht des George Michael Konzerts in der Olympiahalle München vom 17.11.2011. Doktor Vinyl stellt Behauptungen auf. Eine interessante These allemal […]

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